Eine Fliege torkelte durch Berlin, schranzte an Bretterverschlägen vorbei und surrte gegen Scheiben, hinter denen niemand mehr arbeitete. Das Säuseln der Frühjahrsbrise war ihr stiller Begleiter. Zeitungen und Bücher lagen auf den Straßen wie zertretene Vögel. Autos brannten, das Straßenpflaster war aufgebrochen, Schmierereien verunzierten die Wände: "Das Ende ist da!"

Die Menschen waren auf das Land und in die Berge geflohen. Geringere Brandgefahr, glaubten sie. Nur die ewigen Optimisten, Skeptiker oder einfach nur Wahnsinnigen verharrten grimmig in ihrer Stadt, die Feueraxt im Schoße. Plünderer baumelten an Laternenmasten. Das gierige Gekrächze der Krähen hallte durch die Häuserschluchten. Über all dem flackerte eine Gruppe neuer Sterne am Firmament. Erst konnte man sie nur am Nachthimmel ausmachen, später durchstachen sie mit ihrer Brillanz auch die Helligkeit des Tages. Wochen danach waren aus den Leuchtpunkten gleißende Fackeln geworden.

 
2073. Das Jahr der Apokalypse. Das Weltgefüge erzitterte unter den Schlägen aus dem All, Kulturen zerbarsten und sollten sich nie wieder erholen. 10.000 Jahre Zivilisation verglühten an nur einem Tage. Doch es waren nicht die pochenden Narben auf Mutter Erdes Antlitz, und auch nicht die brennenden Städte aus Stahl und Glas, die alles verändern sollten.Mit den Asteroiden stürzte etwas Uraltes und längst Vergessenes auf den blauen Planeten. Noch schwelte es unbemerkt im Schoße der Erde. Und die Saat ging auf. Taub und blind für seine Kinder warf es den Evolutionsmotor an und begann auf ein Neues, seine Erinnerung in die Gene der Welt zu pressen.